Montag, 28. Mai 2012

Gewinner*innen des Schreibwettbewerbs

So, nachdem wir ausreichend getrödelt haben*, wollen wir euch auch die Einsendungen zu unserem Schreibwettbewerb zur Kenntnis bringen, die wir mit einem Büchergutschein bedacht haben.
Leider konnten wir nicht alle Einsendungen bei der Preisvergabe berücksichtigen, hier also die Aussagekräftigsten - viel Spaß beim Lesen!

Platz 1:
- Arbeitsort Tankstelle

Platz 2 (3x):
- "Weihnachtsplätzchen"
- Arbeitsort Secondhand-Laden
- Arbeitsort Krankenpflege (Nachtwache)

Platz 5:
- Arbeitsort Krankenpflege (ambulant)

Platz 6:
- Arbeitsort Verkehrsbefragung

aus unseren eigenen Reihen und daher ohne Ranking oder Gutschein:
- "Look back in Anger"

Ein bunter Querschnitt durch studentische Erwerbstätigkeit....

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* (Gelegentlich gerät etwas in Vergessenheit, dass wir auch nur Studis sind, die das ehrenamtlich machen. Wir haben alle noch ein (Erwerbs)Leben außerhalb dieses Engagements. Wenn das Manchem nicht professionell genug erscheint, liegt es schlichtweg daran, dass wir nicht professionell sind. Wir sind einfach nur Gewerkschaftsmitglieder, die studieren. Oder Studis, die eben auch in der Gewerkschaft sind... und wir freuen uns über jedeN, der oder die mal bei uns mitmachen möchte - dafür muss man ja nicht mal in einer Gewerkschaft sein;-)

look back in anger

Ein Arbeitsunfall ist ärgerlich, speziell wenn es sich um einen Wegeunfall handelt und man sich dabei einen Ast ins Auge rammt. Dann kann nämlich schon mal die Hornhaut angekratzt sein.
Und für die, die sich darunter nichts vorstellen können: Das tut richtig weh.

Richtig ärgerlich ist es, wenn man dann für längere Zeit in seinem studentischen Beschäftigungsverhältnis ausfällt. Selbst wenn man dort seit Jahren arbeitet und nie wirklich krank war, könnte nämlich die Geschäftsführung auf den Gedanken kommen, dass "Lohnfortzahlung im Krankheitsfall" eine völlig unverständliche Anreihung von beliebigen Buchstaben in Suaheli ist. Kurz und knapp: In den drei Wochen, in denen ich nicht arbeiten konnte, bin ich nur deshalb nicht verhungert, weil Freundinnen und Freunde mich durchgefüttert haben. Eigentlich unfassbar.

Als das den anderen Beschäftigten klar wurde, führte ein kleiner Aufstand dazu, dass die Geschäftsführung danach über Nacht des Suaheli mächtig wurde. Sogar bezahlter Urlaub war danach im Gespräch und wurde gnadenvoll gewährt.
Allerdings war das dann das Ende der zuvor versprochenen Gehaltserhöhung, da der eigentlich gesetzlich geregelte Urlaub "schließlich de facto schon eine Erhöhung" war.

Das konnte natürlich auf Dauer nicht gut gehen. Nach dem Versuch der Geschäftsführung, mit einer Änderungskündigung weitere Verschlechterungen zu erzwingen, war es dann doch leichter als gedacht die langjährige Wirkungsstätte zu verlassen. Und woanders etwas Besseres zu finden.

Arbeitsort Verkehrsbefragung

Ich arbeite in zeitlichen Abständen (ca. viermal im Jahr) für eine Firma, die vorrangig "Leute mit dummen Fragen nervt, obwohl man nur gemütlich Bus fahren will" (Zitat eines Fahrgastes).
Der Job ist relativ gut bezahlt, zeitlich flexibel und erfordert auch keine besonderen Qualifikationen ausser vielleicht einem guten Magen, wenn man in den ganz schlimm schunkelnden Bussen versuchen muss, das Gleichgewicht zu halten. Mal arbeite ich für sie in Hamm in den Bussen, dann wieder für Züge der Nordwest-Bahn, die von und nach Bielefeld fahren. Aber der Job ist immer derselbe.
Man hat ein Gerät, welches ein Zahlregister und Fragen enthält. Man zählt die Fahrgäste bei jedem einsteigen und stellt dann dem Fahrgast die Fragen und dieser beantwortet diese (im Idealfall) wahrheitsgemäß. Das macht man in einer Stunde etwa 5 bis 300 Mal (basierend auf Fahrzeug und Uhrzeit) und fährt so fröhlich im Kreis. Zusammen mit ein bis sechs Anderen, die alle jeweils ein Abteil des Fahrzeugs abdecken. Eine relativ entspannte, wenn nicht sogar langweilige Arbeit, wo man bei Erzählungen über randalierende Betrunkene in Nachbussen, Vollbremsungen wegen vereisten Gleisen und Polizeigroßeinsatz wegen einer Messerstecherei sich manchmal fragt, ob der Erzähler wirklich das selbe macht wie man selbst.
Ich selbst hatte nie solche schockierenden Erlebnisse gehabt, ich bin auch recht froh drum. Viel mehr leg ich Wert auf die Erinnerungen, die nicht schrecklich sondern schön waren. Und von denen ich bei der Jobbeschreibung anfangs nichtmal erwartet hätte, dass ich diese erleben könnte.

Es war im September, ich befragte einen Zug von Bielefeld bis nach Holzminden, immer fröhlich hin und her von 10 bis 19 Uhr. Der Zug war voll, denn es war Donnerstag, Schüler und Arbeitnehmer benutzen ihn, um vorran zu kommen, ganz zu Schweigen von den vielen Studenten, die wahlweise zur Uni in Paderborn oder Bielefeld wollten. Das Durchkommen war manchmal fast unmöglich, teilweise sabotierten genervte Fahrgäste mich und meine Partner sogar durch lautes Zwischenzählen oder Weg versperren. Ich denke, zu behaupten, dass es einer der anstrengensten (wenn nicht sogar DER anstrengenste) Arbeitstag in diesem Job war, ist nicht übertrieben.
Um 14 Uhr und ab 18 Uhr wurde es nur allmälich etwas ruhiger und leerer. Und in eben jener Zeit passierte etwas, dass mich spontan so sehr überrascht und gefreut hatte, dass ich es nicht mehr vergessen kann.
Auf der Strecke liegt Höxter und dort ist offenbar ein Ort, der Behinderten als Zuhause dient. Morgens habe ich vereinzelt welche befragt, gegen 15 Uhr waren jedoch auffallend viele unterwegs und abends erneut. Bis dahin hatte ich als Befrager immer geistige Behinderte als Alptraum gesehen, die mich nicht verstehen oder nicht antworten können. Leider ist dem auch teilweise so, mitunter merkt man erst nach drei Fragen, dass alle bisherigen Antworten wertlos sind, da die Person nur zwanghaft "Ja" sagen kann.
Doch die Behinderten in den Zeiträumen waren nicht nur in der Lage zu antworten, sie waren quasi Traum-"Kunden". Sie freuten sich darüber, dass man sie für befragungswürdig hielt. Sie gaben sich die größtmögliche Mühe, alles richtig zu beantworten. Wenn sie etwas nicht wussten, waren sie bereit, sich von mir Antwortmöglichkeiten anzuhören statt frustriert abzubrechen. War man fertig, so waren diese bester Laune, wünschten einem einen tollen Tag und verabschiedeten sich mitunter persönlich von einem, wenn sie ausstiegen. Auch die körperlich Behinderten waren überglücklich, beachtet zu werden, ein kleinwüchsiger Mann hatte sich sogar extra umgesetzt in der Hoffnung, so schneller von mir befragt zu werden.
Im Gegensatz zu allen anderen Fahrgästen, die einen wie ein Insekt sahen, dass sie am Liebsten platt schlagen würden aber grad zu faul dafür sind, waren sie glücklich und froh, tatsächlich mal von Bedeutung zu sein. Auch, wenn ich schon vorher viel Erfahrung mit Behinderten gehabt habe, so musste ich doch meine Sicht auf jene nochmal nachhaltig verändern.
Sie sind nicht dumm und auch nicht krank. Ich würde sagen...sie sind die glücklichsten Menschen auf Erden.
Sie verschönerten mir den stressigen Tag mit ihrer fröhlichen Unbefangenheit und ich gab ihnen offenbar das Gefühl dafür, wichtig zu sein. Wäre ich [...] voreingenommen gegenüber behinderten Menschen gewesen, so hätte ich nicht nur knapp 14% aller Fahrgäste brutal aus der Statistik geschnitten, ich hätte auch einen wesentlich schrecklicheren Tag gehabt.

Arbeitsort Krankenpflege (ambulant)

Verregnete kalte Wintertage, jeder kennt sie, kaum einer mag sie wirklich. Aber manchmal sind es die kleinen Erlebnisse die auch solche Tage bereichern können. Und wie in meinem Fall sogar nachhaltig .
In meinem Beruf als Krankenpfleger in der ambulanten Pflege verbringt man oft die Hälfte der Arbeitszeit im Auto, vielfach auch entnervt durch andere Autofahrer oder das Warten auf die grüne Ampel.

Im letzten Jahr so um diese Zeit durfte ich meiner Arbeit nachkommen (ja – auch als Student arbeitet man…) Es war regnerisch, die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und meine Stimmung war ähnlich suboptimal. Die abendliche Tour in Bielefeld Mitte gestaltete sich einmal mehr als Probe meiner Belastbarkeit, da ich aufgrund des Wetters und des vorweihnachtlichen Verkehrsaufkommens auch im zeitlichen Verzug war. Und Zuspätkommen ist im Hinblick auf meine noch ausstehenden Patienten- (Kunden) Besuche auch kein wirklich rosiger Gedanke. Die Suche nach einem Parkplatz nahe dem Haus erwies sich als schwierig, so dass ich in einiger Entfernung parkte. Durchgefroren und mit nassen Haaren war ich sichtlich erleichtert als mir schließlich mein Patient die Tür öffnete. Das Angebot eines Tees lehnte ich mit der Begründung ab, dass ich noch einige Häuschen weiter muss. Glücklicherweise wurde mir dieses Ablehnen nicht übel genommen (in manchen Kulturkreisen wird so etwas ja als grobe Unhöflichkeit gewertet). Diesen Patienten betreute ich schon seit ca. 1 1/2 Jahren, so dass sich etwas aufgebaut hatte, was man mit einem dienstbedingten Vater Sohn Verhältnis vergleichen könnte, wenn man wollte. Nach der zu verrichtenden Pflege schaute er mich kopfschüttelnd an und drückte mir grinsend eine Wollmütze in die Hand, mit den Worten: „Mir steht die eh nicht und du kriegst so wenigstens warme Ohren.“ Ein Geschenk mit Nachhaltigkeit. Denn auch heute habe ich (insofern ich sie in der Aufbruchshektik nicht vergesse) noch warme Ohren und trockene Haare. Und außerdem die Erinnerung an einen tollen Menschen und einen wirklich tollen Beruf, der leider nicht die Anerkennung und Wertschätzung genießt, die er eigentlich genießen müsste.

Arbeitsort Krankenpflege (Nachtwache)

Neben meinem Studium an der FH Bielefeld arbeite ich als Krankenschwester in einem Klinikum hauptsächlich im Nachtdienst.
11 Stunden alleine, mit 30 Patienten, auf einem laaaangen und leeren Flur. Unheimlich?! Oh ja...
Ich muss zugeben, ich bin ein kleiner Angsthase. Ich habe dann nachts zur Ablenkung das Radio laufen und pfeife beim Medikamentenstellen zu aktuellen Liedern.

Eines Nachts hörte ich schwere Schritte auf dem Flur. Eine Patientin? Ohne lange darüber nachdenken zu können riss auf einmal jemand hinter mir die Stationszimmertür mit voller Wucht auf, ich erschrack und drehte mich um: Ein groß gewachsener, schwerer und nach Alkohol riechender Mann stand vor mir. Mein Herz raste, mein Kopf wurde heiß. Der Mann sah mich böse an und lallte:"Sie habmen misch angespuckt. Das habmen isch genau gesehen. Was solltnen das?!" Ich:"Ich...ich habe nichts getan. Was meinen sie?" Er:"SIE HABEN MICH ANGESPUCKT!!!" Bedrohend nahe kam er auf mich zu und hob seine Hände. Ich weiß nicht mehr wie ich ihn beruhigen konnte, ich stand unter Schock und zitterte am ganzen Körper, aber plötzlich drehte er sich um und verließ meine Station. Ich rief unseren nächtlichten Sicherheitsdienst an, der sich sofort um diese Angelegenheit kümmerte. Der Mann war von einer anderen Station "geflüchtet" und wurde nun von der Polizei gesucht.

Ach ja, der nächtliche Sicherheitsdienst wurde nun abgeschafft. Angeblich hatten sie nicht ausreichend viel zu tun. Super, jetzt fühle ich mich nachts "besonders sicher" auf der Arbeit. Naja, ich habe ja noch das Radio ...

Arbeitsort Secondhand-Laden

Insgesamt seit vier Jahren war ich schon in Deutschland, seit drei Studentin an der Uni Bielefeld. Als Studentin aus einem nicht EU-Mitgliedsland durfte ich nur eingeschränkt arbeiten (es dürfen 90 volle oder 180 halbe Tage gearbeitet werden).

Zufällig fand ich eine Anzeige für eine Stelle als Verkäuferin und meldete mich. Schnell bekam ich den Job in Herrn A.s Secondhand-Möbelgeschäft. Ein Handschlag war für Herrn A. genauso viel Wert wie ein Arbeitsvertrag, so dass ich unkompliziert und schon am selben Tag anfangen konnte. Dass die Arbeitszeiten nicht ganz genau festgehalten wurden, schien mir am Anfang denn auch von Vorteil, um nicht am Ende des Jahres gegen die Visumsauflagen zu verstoßen. Welche Aufgaben auf mich zukommen und wie viel Geld ich bekommen sollte, das entscheiden wir später, sagte Herr A.
Drei Monate arbeitete ich nun zwei bis drei Tage die Woche im Möbelgeschäft, die genaue Bezeichnung meiner Tätigkeit war Mädchen für alles. Andere Arbeiten als „Verkäuferin“ waren jedoch der Transport von schweren Möbeln und Hausentrümpelung, Putzen und Füttern der privaten Hühner von Herrn A. Abgesehen davon, dass ich in den drei Monaten keine Bezahlung für meine Tätigkeit bekam, musste ich diverse sexuelle Anspielungen über mich ergehen lassen. In dieser Zeit habe ich erfahren, welche dutzende Variationen mein Name annehmen kann, obwohl er nicht gerade zu sehr schwierigen weiblichen Vornamen gehört, denn Herr A. konnte sich bis zuletzt nicht meinen Namen merken.
Nach den drei Monaten ohne Bezahlung und der suspekten Behandlung hatte ich zu viel und hörte auf zu arbeiten – jedoch nicht, meinen Lohn einzufordern.

Sage und schreibe drei Monate und unzählige regelmäßige Telefonate, Besuche und Androhungen später, bekam ich meinen Lohn, als ich Herrn A. vor versammeltem Team in seinem Laden anschrie, wie lange ich mein Geld nicht bekommen habe. Er zückte sein Portemonnaie und gab mir 300 Euro in bar, worauf seine ArbeitnehmerInnen verdutzt guckten, denn scheinbar warteten auch sie schon länger...

Weihnachtsplätzchen

Ich habe in einer Plätzchenfabrik gearbeitet. Im Sommer wurden das die Plätzchen für Weihnachten fertig gestellt. Für das Personal war es erlaubt so viele Plätzchen wie man wollte zu essen. Das war am Anfang ganz schön, aber nach einiger Zeit konnte man keine Plätzchen mehr sehen, selbst der Geruch war schon unangenehm. Die Haare, die Kleidung alles roch nur noch nach Plätzchen, was zu Weihnachten ganz schön ist, ist im Sommer irgendwie unangepasst.
Es gab das Stammpersonal und die Aushilfskräfte, die nur für ein paar Wochen dort beschäftigt waren. Das Stammpersonal war meistens unter sich und wenig daran interessiert Kontakt mit den Aushilfen aufzunehmen. Wenn die Schicht anfing kam der Vorarbeiter Hr. S. er redete nicht mit den Frauen (es waren wirklich nur Frauen dort beschäftigt). Er zeigte mit dem Finger auf die Personen und wies sie an ihm zu folgen. So wurden wir eingeteilt, meistens stand ich am Fließband und musste Plätzchen einpacken. Natürlich nahmen die Frauen vom Stammpersonal ihre festen guten Plätze ein, die befanden sich oben am Band, dann brauchte man sich nicht über das ganze Band zu beugen und den Rücken verbiegen.

Ich stand meistens am Ende des Bandes, wenn das Band langsam lief, war das in Ordnung, wenn das Band schnell lief, dann passierte es regelmäßig, das viel zu viele Plätzchen unten ankamen und was man nicht in die Plastikschälchen reinpacken konnte lief am Ende vom Band. Das Gebäck wurde zwar aufgefangen in Behälter, aber weil es in der Regel zerbrochen war, konnte man es nur noch als Bruch verkaufen. Wenn dann der Vorabeiter vorbei kam, war immer der der am Ende des Bandes stand schuld an der Misere, weil er zu langsam war. Gewöhnlich wurde man dann strafversetzt an einen anderen noch schlechteren Arbeitsplatz. Mir machte die Strafversetzung eigentlich nichts aus, bis zu einem bestimmten Tag.

Ich wurde eingeteilt und sollte an einer Maschine eine Frau ablösen. Sie sollte mir kurz erklären wie ihre Arbeit funktioniert. Sie musste Teigplatten, die etwa 3 cm dick und so 50 x 50 cm breit waren, unter eine Schneidevorrichtung schieben. Von oben kamen scharfe Messer und teilten den Teig in dreieckige Spitzkuchen, während ich noch so bei mir dachte, das ist eigentlich eine echt gefährliche Maschine, was ist wenn man die Finger da drunter bekommt? Passiert genau das vor meinen Augen, die Frau hatte für einen Moment nicht aufgepasst und ihre Finger gerieten in das Schneidewerkzeug. Die Finger waren mehrfach gebrochen, das sah man sofort, überall war Blut und es war einfach schrecklich. Die Frau musste direkt ins Krankenhaus gebracht werden.

Und ich, ich habe mich geweigert an dieser Maschine zu arbeiten und noch am selben Tag gekündigt.

Es hat drei Weihnachten gedauert, bis ich Weihnachtsplätzchen wieder mit Genuss essen konnte.

Arbeitsort Tankstelle

Ich war bereits ein halbes Jahr vor Beginn meines Studiums [...] in Bielefeld Vollzeit-Mitarbeiterin bei der ***** Tankstelle in meiner Heimatstadt.
Mit dem Studienbeginn, zog ich dann um nach Bielefeld und habe mich mit meinem Arbeitgeber darauf geeinigt die Beschäftigung auf 400 Euro Basis an den Wochenenden zu reduzieren.
Das klappte etwa einen Monat lang, bis zu dem Zeitpunkt an dem mein zuständiger Stationsleiter beschloss, dass alle Aushilfskräfte flexibel verfügbar sein müssen.

Das bedeutete für mich, dass ich in der Woche Anrufe bekam und z.B. unmittelbar für die Spätschicht in den Zug steigen musste, um nach zwei Stunden Zugfahrt von 18.00-23.30Uhr zu arbeiten. Dann blieb mir nichts übrig, als bei meinen Eltern schlafen und am nächsten Morgen wieder mit dem Zug um 06.00 Uhr zurück nach Bielefeld fahren, um um 08.15 Uhr in der Vorlesung zu sitzen.

Diese Ereignisse häuften sich bis ich schließlich nur noch am pendeln war. Denn zusätzlich hatte ich meine festen Schichten am Wochenende und immer wieder „Noteinsätze“ unter der Woche.
Dann endlich kamen im Februar die Semesterferien und ich habe diese in meiner Heimatstadt verbracht. Bei meinem Stationsleiter habe ich angemerkt, dass ich in diesen Monaten viel Zeit zum Arbeiten und Geldverdienen habe.

Man glaubt es kaum: In der Zeit von Anfang Februar bis Mitte April, also in fast drei Monaten durfte ich genau an drei Tagen arbeiten -mehr nicht-.
Kein Wochenende, keine Notfallschicht, nichts. Angeblich kämen die Vollzeitkräfte mit der Einteilung alleine zurecht, obwohl sich an der Stellenbesetzung im Vergleich zu den Monaten zuvor, in denen ich ständig gerufen wurde, nichts geändert hatte.
Ich war sehr enttäuscht.

Nach der letzten dieser besagten drei Schichten bekam ich einmal einen Anruf von meinem Stationsleiter.
Kennen Sie die „Prämien“, die man an Tankstellen für Tankpunkte bekommen kann? Bei ***** nennt sich das „Clubsmart-Punkte“ und es werden fast täglich mit der Post Pakete gebracht, die wir Mitarbeiter dann ins Büro stellen. Kaffeemaschinen, Besteck usw. man erkennt von außen nicht was drin ist…

Mein Stationsleiter warf mir am Telefon vor ein Mobiltelefon und eine Kaffeemaschine angenommen und geklaut zu haben. Da die Pakete nach Aussagen der Post von mir angenommen wurden, da dort meine Unterschrift vorhanden war.
„Ja natürlich habe ich diese Pakete angenommen, wie in jeder Frühschicht, wenn der Postbote kam und ins Büro gestellt.“
Auf diese Frechheit hin habe ich bei der Shelltankstelle gekündigt, denn das Arbeiten hat einfach keinen Spaß mehr gemacht, bei so einer unfairen Behandlung.

Ein halbes Jahr später habe ich von einer Mitarbeiterin aus dem Büro erfahren, dass der bei allen ungeliebte Stationsleiter vom Arbeitgeber gekündigt wurde. Den Grund wusste niemand, aber seither waren zuvor häufige Waren- und Zigarettendiebstähle auf „Null“ gesunken…

Dienstag, 29. November 2011

Schreibwettbewerb
"Mein schönstes Arbeitserlebnis"

Es geht entspannt in die Adventszeit (schließlich sind alle Weihnachtsgeschenke schon besorgt, nicht wahr?;-), wir lehnen uns zurück und besinnen uns auf die wirklich wichtigen Sachen. Und wo wir alle grad mal ein bisschen Zeit haben, ruft die ver.di campus Hochschulgruppe einen Schreibwettbewerb aus!
Dann müsst ihr jetzt wohl ran...

Thema des Wettbewerbs – Worum geht’s?

Viele von uns Studis gehen nebenbei arbeiten, manche gern, manche ungern, nur freiwillig die wenigsten.
Da passiert natürlich so allerlei: Studierende werden schon mal um ihr Geld geprellt, behandelt wie die Arbeitnehmer*innen zweiter Klasse oder bekommen weder Urlaub noch Lohnfortzahlung im Krankeitsfall.
Skurril, lustig, haarsträubend, schön oder der blanke Horror – berichte uns von deinem Arbeitserlebnis der besonderen Art.

Einsendezeitraum

Schick uns deine Geschichte bis zum 07. Januar per E-Mail an ver.di@gmx.de oder einfach ab damit in die Box am Infostand von ver.di Campus Bielefeld in der Unihalle.

Die Preise

Um euch etwas anzuspornen, verlosen wir unter den Einsenderinnen und Einsendern mehrere Büchergutscheine im Wert von bis zu 50 Euro.
Und das alles noch vor Weihnachten!!! Außerdem solltest du deinen Namen und deine E-Mail-Adresse angeben, damit wir dich im Falle eines Gewinnes benachrichtigen können.
Deine Daten werden von uns vertraulich behandelt und nicht weitergegeben, ist ja klar!

Veröffentlichung

Die gelungensten Geschichten würden wir sehr gerne (natürlich anonym) hier auf unserem Blog veröffentlichen. Wenn ihr das auf keinen Fall wünscht, müsstet ihr das dazu schreiben.

Noch Fragen?

Du hast Fragen zum Wettbewerb, unserer Gruppe ver.di Campus Bielefeld oder zum Thema Gewerkschaft an der Hochschule? Unter ver.di [ät] gmx.de beantworten wir deine Fragen gerne. Oder du kommst dienstags um 18:00 Uhr im SozCafé (L3-120) einfach mal vorbei.

-> download flyer <-

Letzte Änderungen

Wochenseminar "Macht die Armut... (vert, 12.Jun 12, 12:59)

Gewinner*innen des Schreibwettbewerbs (vert, 28.Mai 12, 20:22)

Arbeitsort Krankenpflege (Nachtwache) (vert, 28.Mai 12, 20:17)

Schreibwettbewerb "Mein schönstes... (vert, 28.Mai 12, 20:16)

look back in anger (vert, 28.Mai 12, 20:07)