Arbeitsort Krankenpflege (ambulant)

Verregnete kalte Wintertage, jeder kennt sie, kaum einer mag sie wirklich. Aber manchmal sind es die kleinen Erlebnisse die auch solche Tage bereichern können. Und wie in meinem Fall sogar nachhaltig .
In meinem Beruf als Krankenpfleger in der ambulanten Pflege verbringt man oft die Hälfte der Arbeitszeit im Auto, vielfach auch entnervt durch andere Autofahrer oder das Warten auf die grüne Ampel.

Im letzten Jahr so um diese Zeit durfte ich meiner Arbeit nachkommen (ja – auch als Student arbeitet man…) Es war regnerisch, die Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt und meine Stimmung war ähnlich suboptimal. Die abendliche Tour in Bielefeld Mitte gestaltete sich einmal mehr als Probe meiner Belastbarkeit, da ich aufgrund des Wetters und des vorweihnachtlichen Verkehrsaufkommens auch im zeitlichen Verzug war. Und Zuspätkommen ist im Hinblick auf meine noch ausstehenden Patienten- (Kunden) Besuche auch kein wirklich rosiger Gedanke. Die Suche nach einem Parkplatz nahe dem Haus erwies sich als schwierig, so dass ich in einiger Entfernung parkte. Durchgefroren und mit nassen Haaren war ich sichtlich erleichtert als mir schließlich mein Patient die Tür öffnete. Das Angebot eines Tees lehnte ich mit der Begründung ab, dass ich noch einige Häuschen weiter muss. Glücklicherweise wurde mir dieses Ablehnen nicht übel genommen (in manchen Kulturkreisen wird so etwas ja als grobe Unhöflichkeit gewertet). Diesen Patienten betreute ich schon seit ca. 1 1/2 Jahren, so dass sich etwas aufgebaut hatte, was man mit einem dienstbedingten Vater Sohn Verhältnis vergleichen könnte, wenn man wollte. Nach der zu verrichtenden Pflege schaute er mich kopfschüttelnd an und drückte mir grinsend eine Wollmütze in die Hand, mit den Worten: „Mir steht die eh nicht und du kriegst so wenigstens warme Ohren.“ Ein Geschenk mit Nachhaltigkeit. Denn auch heute habe ich (insofern ich sie in der Aufbruchshektik nicht vergesse) noch warme Ohren und trockene Haare. Und außerdem die Erinnerung an einen tollen Menschen und einen wirklich tollen Beruf, der leider nicht die Anerkennung und Wertschätzung genießt, die er eigentlich genießen müsste.

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Wochenseminar "Macht die Armut... (vert, 12.Jun 12, 12:59)

Gewinner*innen des Schreibwettbewerbs (vert, 28.Mai 12, 20:22)

Arbeitsort Krankenpflege (Nachtwache) (vert, 28.Mai 12, 20:17)

Schreibwettbewerb "Mein schönstes... (vert, 28.Mai 12, 20:16)

look back in anger (vert, 28.Mai 12, 20:07)